(c) Sony Pictures

Frank is back…

Da sorgte zu Weihnachten ein Video für ordentlichen Wirbel im internationalen Blätterwald. Schauspieler Kevin Spacey meldet sich in einem Video auf YouTube als sein Alter Ego „Frank Underwood“ aus der Serie „House of Cards“ zu Wort. Viele Medien bezeichnen das Video als bizarr, aber ist es das wirklich? Es sieht zumindest nicht aus wie ein Schnellschuss, sondern wohldurchdacht. Der Grund ist sicher die Prüfung einer Anklage, welche Anfang Januar auf Spacey zukommt.

Let Me Be Frank

Was war passiert?

Der Hintergrund: 2016 soll Kevin Spacey in einer Bar in Nantucket, Massachusetts, den damals 18-jährigen Sohn der Nachrichtensprecherin Heather Unruh belästigt haben. Erstaunliche Blüten treibt das amerikanische Gerichtswesen in diesem Fall. Da gibt es eine Pressekonferenz mit der Mutter des vermeintlichen Opfers, welche haarklein erzählt, was Spacey mit ihrem Sohn gemacht haben soll, als wenn sie quasi daneben gesessen hat. Doch scheinbar kommen hier ganz andere Fragen auf: Wenn ein 18-jährger angeblich in einer Bar betrunken gemacht wurde, wo ist da die Schuld zu suchen? Sicher nicht nur bei Spacey. Denn, bedenkt man, dass es Alkohol in Bars in den USA erst ab 21 Jahren gibt, so ist sicher auch der bar bzw. dem Personal zumindest eine Mitschuld einzuräumen. Doch auch von der Gegenseite kommen Zweifel an der Glaubwürdigkeit auf.  

So soll das vermeintliche Opfer nicht nur hinsichtlich des eigenen Alters gelogen und somit unerlaubt sehr viel Alkohol konsumiert haben – er habe behauptet, 23 zu sein und aufs College zu gehen. Nein, angeblich sei er derjenige gewesen, der überhaupt erst den Kontakt zu Kevin Spacey an der Bar herstellte. Auch ist offenbar nicht klar, warum niemand etwas bemerkt haben will. Wobei es angeblich von einem Barbesucher ein Video geben soll, welches der Staatsanwaltschaft vorliegen soll. Nach dem Vorfall wurde aber keine Anzeige erstattet, angeblich aus Scham und Angst. Nach Aussage des Opfers sollen die Tätigkeiten durch Spacey über drei Minuten gedauert haben – ganz ohne Gegenwehr. Ich persönlich hätte mich auch mit 18 Jahren schon zur Wehr zu setzen gewusst. Oder ticken die Amerikaner da auch anders? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Genaueres wird man wohl erst erfahren, wenn am 07. Januar die erste Anhörung vor Gericht erfolgen wird.

Fragen sollten erlaubt sein…

Nicht, dass es jetzt falsch verstanden wird, ich will Spacey nicht in Schutz nehmen, zumal es ja nicht der erste Fall solcher Beschuldigungen war. Im Herbst 2017 kam es zum großen Knall, als der heute 46-jährige Schauspieler Anthony Rapp zu Protokoll gab, als 14-jähriger von Spacey belästigt worden zu sein. Dieser Fall ist allerdings verjährt, genauso, wie ein weiterer Fall eines Mannes, dem ähnliches 1992 passiert sein soll. Hier betonte die Staatsanwaltschaft bereits, dass es sich dabei um keinen Minderjährigen gehandelt haben soll. Die Frage muss allerdings erlaubt sein, warum sich ein Spacey ruhig verhalten soll, während Staatsanwaltschaft oder Mutter des Opfers mit großem Tamtam an die Presse gehen können.

Bleibt die Frage nun: was ist tatsächlich passiert? Keine Frage, Kevin Spacey ist unbestreitbar ein herausragender Schauspieler, was er in Rollen wie „American Beauty“,  „Das Leben des David Gale“ oder eben auch „House of Cards“ unter Beweis stellen konnte. Doch nach den Vorwürfen kam es für Spacey ziemlich heftig. Er war seine Rolle in „House of Cards“ los und auch die bereits abgedrehten Szenen im Film „Alles Geld der Welt“ wurden komplett mit Christopher Plummer nachgedreht.  

Wird auch dieses ein Schauprozess im Zuge der ganzen #metoo-Debatte, wie beispielsweise bei Bill Cosby? Es wird sich zeigen, aber es droht sicher ähnliches, ganz gleich ob Aussage gegen Aussage steht und es am Ende doch heißen soll „Im Zweifel für den Angeklagten“.

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